(Trinationale) Grenzräume lesen und verstehen

Grenz­li­nien und Grenzzonen
RWTH Achen
Prof. Dr. Agnes Förster
Gisela Schmitt
Prof. Christa Reicher
Anne Söfker-Rieniets

Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung, Lehrstuhl und Institut für Städtebau und Europäische Urbanistik

Der Beitrag der RWTH Aachen nimmt die trinationale Grenzregion von Deutschland, Belgien und den Niederlanden in den Blick. In verschiedenen räumlichen Ausschnitten werden in dem Format von „Stegreif-Aufgaben“ mit Literatur- und Zeitungsrecherchen sowie Begehungen und Kartierungen zwei verschiedene thematische Zugänge gewählt.

Ein Untersuchungsansatz beschäftigt sich unter dem Titel „Grenzlinien“ mit der Transformation von sichtbaren und unsichtbaren Grenzen seitdem das unkontrollierte Passieren der Binnengrenzen im Dreiländereck als Prinzip des Schengener Abkommens möglich ist. Im Grenzverlauf des Dreiländerecks soll das sichtbare Nachwirken der alten Grenzsituation und das allmähliche Zusammenwachsen der Grenzräume erfasst, dokumentiert und in übertragbare räumliche Kategorien übersetzt werden. Grenzüberschreitende Alltagserfahrungen, die aus einer Zeitungsanalyse und spontanen Befragungen von Passanten hergeleitet werden, dokumentieren die Themenfelder der unsichtbaren Grenzlinien mit ihren Problemen und Potenzialen.

„Quer zur Grenze“ ist der Titel der zweiten Perspektive, die sich mit den lokalen Identitäten von Grenzzonen in dem trinationalen Grenzraum befasst. In einem Europa ohne innere Grenzen müssen die sich auflösenden Grenzregionen nach einer Identität suchen, die den Verlust der alten Identität nicht als Gefahr, sondern als Chance und Zugewinn einer neuen, ganz anderen Identität begreifen kann. Auf der Suche nach einer Methode der Vermittlung dieser Chance sollen in diesem Ansatz besondere städtebauliche oder stadtsoziologische Identitäten gefunden werden, die als Vorbild für größere Bewegungen des Zusammenwachsens dienen können. Auf der Suche nach besonderen Grenzsituationen gehen die Betrachtungen bis ins 19. Jahrhundert zurück.