#FOLLOW ME

Open Data City
Leibniz Universität Hannover
Prof. Andreas Quednau
Benedikt Stoll
Lehrstuhl Städtebauliches Entwerfen

„Smart City“ Stadtentwicklungskonzepte werden von viele Wissenschaftler aufgrund der damit verbundenen marktorientierten Politik kritisiert. Sie fordern im Sinne von Saskia Sassens „Open Source Urbanism“, Big Data öffentlich zugänglich zu machen. Die Open Data Strategy der EU Kommission (2011) kann als eine Reaktion auf das Daten Monopol von globalen Akteuren wie Google, Facebook & Co. gesehen werden: Städte sollen demnach ihre Daten für alle einsehbar und nutzbar machen. Wenn Daten das Gold des 21. Jahrhunderts sind, muss auch die Rolle von Planern und Architekten in Hinblick auf die Verwendung von Geo-Daten hinterfragt werden, um Städte zukünftig nachhaltig zu entwickeln anstatt technokratische Vorstöße zu verfolgen, die deren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen ignorieren.

“#FOLLOW ME: Open Data City” thematisiert die Frage der Verantwortlichkeit von Planern und Architekten in Bezug auf Open Data. Im Rahmen des Seminars werden spekulative Szenarien entwickelt, in der auf der einen Seite öffentlich zugängliche Daten und auf der anderen Seite selbst gesammelte (Geo-)Daten zur Grundlage zukünftiger Stadtentwicklung gemacht werden. Ausgangspunkt ist dabei die Kartierung des eigenen digitalen Fußabdrucks innerhalb eines Monats, der unter anderem mit Hilfe von Google Location History (Google Maps), einer Verortung finanzieller Ausgaben (Revolut Kreditkarte) und einem Gesundheitstracker (Welltory) - also allen Apps und “smarten” Geräten, die (Geo-)Daten aufzeichnen - getreu nach dem Strava-Motto “Verfolge und analysiere jeden Aspekt deiner Aktivität” nachvollzogen werden. Die Visualisierung von Mobilitäts- und Aktivitätsprofilen soll nicht nur helfen den eigenen digitalen Fußabdruck besser zu verstehen, sondern auch dessen umweltbedingte und verhaltensbezogene Konsequenzen zu begreifen. Davon ausgehend wird im Rahmen des Seminars darüber spekuliert, welche Möglichkeiten sich für eine “nutzerspezifische” Stadtentwicklung auftun und wie diese Daten für eine nachhaltigere Planungspraxis verwendet können.

Google & Co können auf unsere dynamischen Aktivitätsprofile (absolut) uneingeschränkt zugreifen, um daraus kundenspezifische Werbeinhalte und exorbitanten Profit generieren. Was würde passieren, wenn auch Städte Zugriff zu diesen (Geo-)Daten haben würden, um bürgerspezifische Stadtentwicklung zu betreiben? Die Kernthese des Seminars #FOLLOW ME: Open Data City hält fest, dass StadtplanerInnen und Stadtverwaltungen langfristig ihre Kernkompetenz an globale Konzerne verlieren, die unser "Nutzerverhalten" stärker beeinflussen als städtische Infrastrukturen. Deshalb gilt es zu untersuchen, ob es nur durch die Bereitstellung von OPEN DATA und deren kollaborativen Analyse und Verwertung mit gemeinwohlorientierten Organen noch möglich ist, Stadt nachhaltig entwickeln zu können.

Ausgewählte Ergebnisse des Seminars werden auf dem MAPPING FOR CHANGE Symposium vom 16.-18. Januar 2020 in Berlin präsentiert. Darüber hinaus wird das Seminar im Rahmen der Projektes "Fachlicher Nachwuchs entwirft Zukunft: Borderline City" ausgegeben. Dadurch wird es 3 ausgewählten Studierenden ermöglicht, an einer voll finanzierten Sommerschule vom 08.-15.05.20 in Berlin teilzunehmen.