Europäischer Korridor Berlin-Warschau

Bahn­hofs­areale und Barrieren, Grenzen, Peri­phe­rien sowie Zentra­li­täten zwischen Berlin und Warschau
Universität Kassel
apl. Prof. Dr.-Ing. Harald Kegler
Dr. Arvid Krüger
Fachgebiet Stadterneuerung und Planungstheorie

Für dieses Projekt wird der Raum Berlin-Warschau in den Blick genommen. Er ist ein trans­eu­ro­päi­scher Korridor (TEN), entlang der Strecke liegen Orte mit ganz unter­schied­li­chen Charak­te­ris­tika, die exem­pla­risch als mögliche Border­line Cities in den Blick genommen werden sollen (eine mögliche thema­ti­sche Eingren­zung erfolgt am Beginn des Projektes):
– Warschau-Praga ist die östliche Weich­sel­seite, das unzer­störte Warschau mit einem beson­deren Bahn­hofs­areal. Zugleich ist dieser Stadt­teil mögli­cher Ort einer IBA.
– Posen/​Poznan ist die Haupt­stadt der Provinz „Groß­polen“, welche sowohl Keim­zelle der alten pias­ti­schen König­reiche als auch lang­jäh­rige preu­ßi­sche Provinz war. Der Bahnhof wird zu einem zentralen Anker in der Stadt­re­gion ausge­baut.
– Küstrin/​Kostrzyn war eine alte preu­ßi­sche Festungs­stadt, die im 2. Welt­krieg fast voll­ständig zerstört wurde. Zu DDR-Zeiten wurde der ehema­lige Stadt­teil Kietz ein knapp 1000 Einwohner umfas­sendes Dorf an der unüber­wind­li­chen Fluss­grenze. Die Altstadt­insel mit der Festung geriet in eine noch isolier­tere Grenz­lage und wurde nicht wieder aufge­baut. Heute ist Küstrin/​Kostrzyn (bzw. die ehema­lige grün­der­zeit­liche Neustadt) der Endpunkt einer subur­banen Stadt-Umland-Bahn­linie, die zum Berliner Ostkreuz fährt. Zugleich ist die Stadt am Grenz­über­gang deut­scher Start­punkt der B1, der alten Reichs­straße von Königs­berg über Berlin nach Aachen
– Frankfurt/​Oder ist eine von jenen Städten, die heute über einen deut­schen wie polni­schen Teil verfügen (Slubice). Als Univer­si­täts­stadt versorgt die den Berliner Bedarf, als Grenz­stadt ist die dortige Univer­sität eine Euro­pa­uni­ver­sität (Viadrina). Heute über­queren hier die Euro­city-Züge die Oder­brücke. Die Stra­ßen­bahn erschließt zwar den Europa-Uni-Campus, wurde aber nach einem Bürger­ent­scheid (2006) nicht nach Slubice geführt. Zugleich gibt es in der Grenz­re­gion eine Künst­ler­initia­tive, die sich „Nova Amerika“ nennt und explizit den Grenz­raum zu ihrem Thema erhoben hat.
– Fürs­ten­walde war der Ort, an dem umge­laden werden musste: Die Berliner Spree war von hier Rich­tung Osten nicht mehr schiffbar. Heute markiert die Stadt eine unsicht­bare Grenze, nämlich jene des „Speck­gür­tels“ – zwischen jenen berlin­nahen bran­den­bur­gi­schen Gemeinden, die vom Wachstum der Stadt als subur­banes Umland profi­tieren und jenen berlin­fernen Gemeinden, welche dies nicht tun.
Jede/​r dieser Städte/​Stadtteile markiert inner­halb des Korri­dors bestimmte Grenzen, wo sich der Charakter der Region sich weiter west­lich oder östlich jeweils verän­dert.
Welche stadt­ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Heraus­for­de­rungen bestehen dort, wie versu­chen die Akteure, mit diesen Heraus­for­de­rungen umzu­gehen. Eine zentrale Rolle spielen die Bahn­höfe bzw. Bahn­hofs­um­felder, welche die städ­te­bau­li­chen Kris­tal­li­sa­ti­ons­orte sind, an denen das Über­schreiten von Grenzen möglich wird. Diese Gebiete stehen im Mittel­punkt des Projektes.